Franken - Heimat der Biere.

Im Labyrinth der Biergeschichte:
Nürnberg und seine Felsenkeller

Aktuell ist Nürnberg mit der Eröffnung des Christkindlesmarkt in aller Munde - doch Nürnberg ist nicht nur eines der bekanntesten Weihnachtsziele sondern auch Bierstadt!

Felsengänge Nürnberg (Städteregion Nürnberg)

Die Kaiserburg, die Stadtmauer, die Lorenzkirche oder die Frauenkirche: Nürnbergs Sehenswürdigkeiten sind legendär. Doch in den Jahrhunderten, in denen diese Wahrzeichen Stein für Stein errichtet wurden, waren die Nürnberger Bürger auch unter Tage zu Gange und schufen etwas, das Wesentlich ist für die (Bier-)Geschichte ihrer Stadt.

Meter für Meter gruben sie Gewölbe und Gänge in den leuchtenden Burgsandstein unter der Altstadt, um dort das Nürnberger Rotbier lagern zu können. Und auch heute noch macht man sich bei Führungen auf den Weg in die Unterwelt, um auf den Spuren von Brauern und Bierkiesern zu wandeln.

Eigentlich muss man sich den Nürnberger Burgberg wie einen Schweizer Käse vorstellen. Über eine Fläche von 25.000 Quadratmetern ziehen sich durch den Burgsandstein Gewölbe und Gänge, angeordnet in bis zu vier Stockwerken, mit einer konstanten Temperatur zwischen 8 und 12 Grad Celsius und belüftet durch ein ausgeklügeltes System von Schächten – bis auf die elektrische Beleuchtung genau so, wie sie bereits im 14. Jahrhundert angelegt wurden. 1380 wurden die Nürnberger Felsengänge in einer Urkunde zum ersten Mal erwähnt und gleich mit einer Vorschrift verknüpft: Jeder, der Bier brauen und verkaufen wollte, musste demnach einen eigenen Keller „zehn schuch tieff und sechzehen schuch weit“ haben. Und da es im Mittelalter und in der frühen Neuzeit bis zu 42 Brauereien in Nürnberg gab, wurde auch das Labyrinth der Felsenkeller zunehmend größer, um Platz für die Lagerung des Bieres zu schaffen.

Eine unterirdische Welt für das Rotbier

Hausbrauerei Altstadthof Nürnberg

In der Stadt wurde aber nicht irgendein Bier gebraut und getrunken: Schließlich war Nürnberg quasi die Hauptstadt des Rotbiers, das seine rötlich-kupferne Farbe und den feinen malzigen Geschmack der ausschließlichen Verwendung von Gerstenmalz verdankt. Auch hier hatte die Obrigkeit ihre Finger im Spiel: 1303 und damit mehr als 200 Jahre vor der Verkündung des Bayerischen Reinheitsgebotes bestimmte der Rat der Stadt, dass nur Gerste zum Bierbrauen verwendet werden darf – die anderen Getreidesorten blieben den Bäckern vorbehalten. Damit das untergärige Rotbier aber reifen kann, braucht es kühle Temperaturen: und genau dafür erwiesen sich die Felsengänge als ideal.

Seit dem 14. Jahrhundert sind Nürnberg und das Rotbier so miteinander verbunden. Einer der Braumeister, die diese Leidenschaft pflegen, ist Reinhard Engel von der Hausbrauerei Altstadthof am Nürnberger Burgberg. Am historischen Standort des ehemaligen Roten Brauhauses setzt er hier seit 1984 Sud für Sud des köstlichen Rotbieres mit seinem ausgeprägten, samtigen Körper und seiner feinen Hopfennote an. „Das Rotbier“, sagt er mit Überzeugung, „ist der klassische Nürnberger Biertypus“.

Das schlägt dem Fass den Boden aus

Hausbrauerei Altstadthof Nürnberg

Die Qualität seines Bieres wie der dafür verwendeten Zutaten ist ihm sehr wichtig, und auch hier handelt er ganz in Nürnberger Tradition. Schon im 14. Jahrhundert kannte der Rat in Sachen Bierqualität keinen Spaß. „Dafür gab es die Bierkieser“, erzählt Engel, „die knallhart gegen schlechtes Bier vorgingen“. Sie nahmen von den Fässern in den Lagerkellern Bierproben und entschieden, ob das Bier in den Verkauf durfte oder nicht. Und wenn das Bier nicht bestand, „schlugen sie dem Fass den Boden aus“, so Engel weiter. „Die schlimmste Strafe und Schande aber war, wenn das schlechte Bier unter den Augen der Öffentlichkeit in die Pegnitz gekippt wurde.“

Bierbrand aus dem Felsenkeller

Schnapslager der Hausbrauerei Altstadthof Nürnberg

Solche drakonischen Strafen muss Reinhard Engel für sein Rotbier genauso wie für seine anderen Bierspezialitäten – darunter „Rote Weisse“ und „Roter Bock" – natürlich nicht befürchten, schließlich schmeckt sein Bier ganz hervorragend. Die unter Denkmalschutz stehenden Felsenkeller, von denen er direkt von seiner Brauerei aus Zugang hat, nutzt er auch heute noch: Aus logistischen Gründen zwar nicht für die Lagerung seines Rotbiers, wohl aber für sein Spezialbier und edle Destillate wie den „RotBierBrand“, den „SchwarzBierBrand“ oder den „MaiBockBrand“.

Stelldichein mit Bierkieser und Kellergeist

Hausbrauerei Altstadthof am Nürnberger Burgberg

In ihren Genuss kommt man unter anderem bei der Führung „Rotes Bier in tiefen Kellern“. Zusammen mit einem Tourguide geht es durch die  Nürnberger Unterwelt und damit durch 700 Jahre Biergeschichte. Wieder am Tageslicht lernt man in der Hausbrauerei Altstadthof bei einer Bierprobe den Prozess des Bierbrauens sowie im Whiskylager die Gemeinsamkeiten von Bier und Whisky kennen. Zum Abschluss, der mit einem Rotbier zelebriert wird, schlüpft der Tourguide in der „ProBier Boutique” des Altstadthofs in die Rolle des Bierkiesers.

Dazu gesellen sich eine ganze Reihe weiterer Führungen durch die Stadt unter der Stadt: Bei „Vergessene Kellergeister“ etwa verbindet sich die Führung mit Schauspiel, Licht und Ton und bei der „Dunkelführung” erhellt nur der Schein der Taschenlampe das geheimnisvolle Labyrinth. Wen es dabei ein bisschen gruselt, dem sei gesagt: Hopfen beruhigt die Nerven – nur gut also, dass am Ende ein frisch gezapftes Rotbier wartet.


Loading...