Franken - Heimat der Biere.

Braukultur im Kornhaus:
„HopfenBierGut” Spalt

Mit einer interaktiven Ausstellung widmet sich das Spalter „HopfenBierGut” im Fränkischen Seenland dem „grünen“ und dem „flüssigen“ Gold – und damit den beiden Schätzen, für die Spalt berühmt ist.

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Es ist ein mächtiges Gebäude, in dem das 2015 eröffnete „HopfenBierGut” sein Zuhause hat. 36 Meter lang, 13 Meter breit und 20 Meter hoch ist das ehemals fürstbischöfliche Kornhaus in der Spalter Altstadt. Rund 560 Jahre ist es alt und für sein imposantes Fachwerk, so schreibt ein Chronist, war ein „gar mächtiger Wald" von Nöten. Wie es sich für eine Bier- und Hopfenstadt wie Spalt gehört, hat das Gebäude auch selbst eine „süffige“ Geschichte: Als die Stadt 1862 das Haus kaufte, war Spalt schon längst für seinen hervorragenden Aromahopfen bekannt, weshalb die Stadt es auch als Hopfenlager und von 1897 bis 1984 zudem als Hopfensignierhalle nutzte. 


Historischer Verkaufstrick

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Ein Haus voller Biergeschichte – und der ideale Rahmen für die aufwändig gestaltete Ausstellung, die auf 1.200 Quadratmetern von der Welt des Hopfens und des Biers erzählt. Wer das „HopfenBierGut” betritt, muss allerdings erst einmal in den zweiten Stock, wo der Rundgang startet. Dank des neuen Anbaus ist das komplett barrierefrei möglich. Dort angekommen, breitet sich vor einem ein riesiger Raum aus, über den sich das türkis leuchtende Fachwerk spannt. Diese Farbe, so lernt man schnell, war nicht der Einfall eines modernen Innenarchitekten, sondern ein historischer Verkaufstrick: Der Anstrich reflektierte das Tageslicht so günstig, dass der angebotene Hopfen für den potenziellen Käufer noch grüner und frischer erschien.

Solche „Tricks“ braucht die neue Ausstellung sicherlich nicht, hat man hier doch – gerade was interaktive Elemente betrifft – alle Register gezogen. So bewegt man sich interaktiv durch den Spalter Stadtplan, übt sich bei einem speziellen „Kräftemessen“ im Hopfenanbau und lauscht den Erzählungen eines Hopfenbauers oder dem Spalter „Saumarktlied“. Der Saumarkt war ab 1904  das Abschlussfest der auswärtigen Hopfenzupfer, die für die Ernte in die Stadt kamen – denn bevor sich 1954 die mechanischen Hopfenpflückmaschinen durchsetzten, war die Hopfenernte reine Handarbeit. Ein langes Leben war dem Fest aber nicht beschieden, wie die Ausstellung erzählt: Bereits nach wenigen Jahren wurde es verboten, da sich die Stadt den tumultartigen Zuständen während des Festes nicht gewachsen sah. Wer dann auf den geschnitzten Holzhockern – selbstverständlich in Form einer Hopfendolde – Platz nimmt, befindet sich mitten im Hopfenjahr. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen, denn der Film rund um den Lebenszyklus des Hopfens wird auf einer riesigen Rundum-Kinoleinwand abgespielt.


Internationales „Tischlein deck dich”

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Danach steigt man ein Stockwerk tiefer und erfährt nun, warum der Hopfen für das Bier so wichtig ist: Im begehbaren Braukessel schnuppert man am Hopfen, wirft einen Blick durchs Mikroskop auf die Hefe und erfährt unter anderem, dass vor dem „Bayerischen Reinheitsgebot“ von 1516 Zutaten wie Rinde, zerriebene Eierschalen, ja sogar Giftpflanzen wie Fliegenpilze und Tollkirschen im Bier landeten.

Seit der Verkündigung des Reinheitsgebots ist der Hopfen die einzige erlaubte Bierwürze. Spalt spielt dabei mit seinem weltweit begehrten Aromahopfen eine besondere Rolle, was man beim weiteren Rundgang durch das Kornhaus feststellt. Die Ausstellung erzählt, wie Spalt mit seinem Hopfen der Biervielfalt ihren Stempel aufgedrückt hat, lässt alte Bierwerbungen fürs Spalter Bier erklingen oder die Besucher an Aromastationen schnuppern und zeigt an einem besonderen „Tischlein deck dich“, mit welchen Ländern Spalt über den Hopfen verbunden ist.


Praktisches Bierwissen am Braukessel

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Abgerundet wird das neue Wissen schließlich im Erdgeschoss an der „ProBierBar“ mit einer Bierprobe. Hier kostet man von den Bieren der Stadtbrauerei Spalt, die als eine der letzten kommunalen Brauereien Deutschlands an sich schon eine Besonderheit ist: Alle Spalter Bürger sind Brauereibesitzer, mit dem Bürgermeister wählen sie gleichzeitig deren Geschäftsführer. Die schmucken 0,2-Liter-Probiergläser des „HopfenBierGuts” darf man übrigens mit nach Hause nehmen.

Auf dem Weg zur „ProBierBar“ fällt den Besuchern zudem die museumseigene Brauanlage ins Auge: Sie ist Mittelpunkt der „Bierwerkstatt“ und damit der Brau- und Bierseminare, die regelmäßig im „HopfenBierGut” angeboten werden. Eine runde Sache für alle Sinne also, die hier gelungen ist – und dieser Meinung waren auch der Bayerische Brauerbund e.V. und der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband: 2015 haben sie das „HopfenBierGut” mit der „Goldenen BierIdee“ ausgezeichnet.


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